Akustikgitarre Aufnehmen – so klappt’s sicher!
Du spielst schon länger Gitarre und willst deine Skills endlich mal aufnehmen? Oder du willst deine bereits vorhandenen Aufnahmen professionalisieren? Fabian von soundandgo.com zeigt hier alles, was du wissen musst – von der Mikrofonauswahl bis zur fertigen Aufnahme.
Schritt 1: Das passende Mikrofon für deine Akustikgitarre
Das passende Mikrofon findest du tatsächlich gar nicht mal so schnell. Denn bei der Mikrofonauswahl kommt es auch ein wenig darauf an, ob du viele Höhen, viele Mitten oder eher Bässe abbilden willst. Oder du bist Singer Songwriter und brauchst gar keinen spezifischen Platz im Mix, dann kannst du das ganze Spektrum aufnehmen.
Bevor du dich für ein Mikrofon entscheidest, solltest du dir bewusst machen, wie deine Gitarre im Song funktionieren soll. Ist sie tragendes Hauptelement oder eher Begleitinstrument? Diese Entscheidung beeinflusst deine Mikrofonwahl stärker als jede technische Spezifikation.
Variante A: Der beste Weg: Kleinmembraner
Kleinmembraner sind Mikrofone mit einer kleinen Membran, meist Kondensatormikrofone. Diese sind vor allem in den Höhen etwas feinfühliger und bilden den Klang sehr detailliert ab.
Gerade das feine Ansprechverhalten bei schnellen Anschlägen oder Fingerstyle Passagen macht Kleinmembraner so beliebt. Kleine Nuancen im Spiel werden sauber eingefangen, was besonders bei modernen Akustikproduktionen wichtig ist.
Mit dieser Methode hast du in der Regel die besten Ergebnisse für klassische Akustikgitarren in einer Band oder mit anderen Instrumenten im Mix. Warum? Weil die tiefen Frequenzen zum Beispiel das Schlagzeug oder der Bass abdecken. Das ist auch der Grund, warum im Mikrofonfinder von soundandgo.com nur Kleinmembraner vorgeschlagen werden.
Budget: Røde M5 MP ca. 160€ für Stereo Set
Mittelklasse: 2x Røde NT5 S ca. 400€ für Stereo Set
Profi: Neumann KM 184 MP ca. 1.500€ für Stereo Set
Aufnahmeposition: Das eine Mikrofon wird auf den zwölften Bund der Gitarre gerichtet, um Saitengeräusche und die Höhen präzise abzunehmen. Das zweite Mikrofon wird auf das Schallloch gerichtet, um der akustischen Gitarre ihren bassigen Anteil zu geben.
Achte darauf, dass beide Mikrofone ungefähr den gleichen Abstand zur Gitarre haben. So vermeidest du Phasenprobleme, die den Klang dünn oder undefiniert machen können.
Variante B: Sologitarrist und mehr Bass
Wenn du deine Gitarre akustisch aufnehmen willst, aber nicht so viel Fokus auf die Höhen und die Sounds der Saite legen möchtest, dann kannst du auch ein Großmembranmikrofon nutzen. Du hast einen volleren Klang, der aber nicht ganz so definiert klingt wie oben. Der Vorteil hier ist: Du brauchst nur ein Mikrofon und ein Stativ.
Budget: Røde NT1-A (ca 180€)
Mittelklasse: AKG C214 (ca. 400€)
Profi: Nutze Variante A mit den Profi Mikros. Dadurch hast du mehr Kontrolle im Mix
Aufnahmeposition: Positioniere das Großmembran Mikrofon zwischen Schallloch und zwölften Bund. Weiter in Richtung zwölften Bund erhältst du mehr präzise Details in den Höhen, in Richtung Schallloch einen volleren Klang.
Gerade bei Gesang und Gitarre gleichzeitig ist diese Methode sehr beliebt, da der Klang kompakt und natürlich wirkt und sich gut mit der Stimme verbindet.
Variante C: Mach doch, was du willst!
Es klingt etwas komisch, aber in der Tontechnik gibt es kein richtig und kein falsch. Wenn es sich gut anhört, dann kannst du jedes Mikrofon nutzen. Es gibt viele weitere Techniken. Eine bekannte ist ein sogenanntes Clipmikrofon, welches du per Clip an der Gitarre befestigst. Diese sind eher für Live Situationen oder wenn du nicht still sitzen kannst, weil du die Musik so fühlst! Zu erwähnen ist hier die Budgetlösung t.bone Ovid System CC 100 für ca. 50€ das ganze gibt’s natürlich noch auf Profi Level in Form vom Neumann MCM 114 für ca. 630€
Sämtliche weitere Lösungen können gut klingen! Auch dynamische Mikrofone können richtig abgemischt sehr gut an deiner Gitarre klingen, also wenn du ein Home Studio hast und ein paar Mikrofone da hast, dann probier doch einfach mal etwas rum.
Oft entstehen genau bei solchen Experimenten die spannendsten Sounds. Gerade ungewöhnliche Mikrofonpositionen können deiner Aufnahme einen eigenen Charakter geben.
Wichtig: Das USB Audio Interface
Um das Signal vom XLR Mikrofon in deinen PC/Mac oder eventuell sogar auf dein iPhone zu bekommen, brauchst du ein USB Audio Interface. Vergleiche von USB Audio Interfaces zeigen dir, welche gut funktionieren. Je Mikrofon brauchst du einen Eingang.
Für mobile Aufnahmen bietet sich zum Beispiel ein IK Multimedia iRig Pro Duo. Damit hast du zwei Eingänge und kannst deine Mikrofone mit iOS und iPadOS nutzen.
Die einzige gute Lösung ohne Audio-Interface wäre ein Røde NT1 5th Generation. Denn das hat auch einen USB Anschluss und kann so direkt an dein Endgerät angeschlossen werden.
Achte beim Interface außerdem darauf, dass es Phantomspeisung bietet. Kondensatormikrofone benötigen diese Stromversorgung, sonst bleibt die Aufnahme stumm.
Schritt 2: Der passende Raum
Damit du trotz guter Mikrofone nicht mit Schallbrei endest, ist der Raum ein entscheidender Faktor.
Der Raum sollte vor allem klanglich relativ trocken klingen. Das heißt mit wenig Hall oder Echo. Da das in den eigenen vier Wänden oder im Home Studio oft etwas schwieriger ist, gibt es ein paar „Hausmittel“ gegen Hall. Bei einer Sprachaufnahme stellen sich manche Menschen in den Kleiderschrank oder gehen unter die Bettdecke, da weiche Stoffe meist schallschluckend (absorbierend) sind. Das solltest du dir mit wenig Budget zu Nutze machen!
Benutze absorbierende Materialien, damit der Schall sauber aufgenommen wird. Vermeide große leere Räume mit glatten Wänden. Diese reflektieren den Schall unkontrolliert und machen deine Aufnahme schnell schwammig. Lieber klein und gedämpft als groß und hallig.
Kontrollierten Hall kannst du bei Schritt 3 hinzufügen.
Schritt 3: Die richtige DAW
Jetzt nur noch auf Record klicken, oder? Fast. Mit einer DAW (Digital Audio Workstation) kannst du nicht nur aufnehmen, sonder auf Effekte auf deine Gitarre legen. Denn das „rohe“ Gitarrensignal klingt erst mal nicht so, wie die ganzen Songs, die du liebst. Sie klingen eher flach, haben wenig Druck und vielleicht eine falsche Balance zwischen Höhen und Tiefen.
Du bekommst aber durch EQ und Kompressor viel mehr aus deinen Mikrofonen, als du dir vorstellen kannst. Und auch den Raumklang kannst du durch Raumhall Effekte verändern.
Das Thema DAW ist ein riesiges Thema, es gibt eine große Auswahl. Sei dir auf jeden Fall bewusst, dass es nur ein Werkzeug ist. Das richtige Gehör und eine Mixing Referenz sind entscheidend. Höre dir immer deinen „Zielsong“ an und finde heraus, was deiner Gitarre fehlt. Grob kann man mit dem EQ die Frequenzen steuern, mit den Hall natürlich den Raumklang und mit dem Kompressor die Dynamik.
Ein Kompressor ist anfangs schwer zu verstehen, es gibt oft auch passende Voreinstellungen. Mit dem Kompressor „drückst“ du das Signal zusammen, wodurch es kraftvoller wirkt. Wichtig ist hier aber etwas Zurückhaltung. Zu viel EQ oder Kompression kann der Natürlichkeit deiner Akustikgitarre schaden. Oft reicht schon ein kleiner Eingriff, um die Aufnahme deutlich besser wirken zu lassen.
Fertig!
Natürlich ist das alles nicht so einfach, aber ich bin mir sicher, mit diesem Guide schaffst du es, eine Aufnahme der akustischen Gitarre zu machen! Diesen Artikel kannst du auch für Westerngitarren, Ukulelen oder andere Arten von Gitarren nutzen. Das Klangbild wird immer etwas anders sein, aber mit etwas Ausprobieren findest du sicher den Sweet Spot für deine Gitarrenaufnahme zuhause.
Am Ende zählt nicht die perfekte Technik, sondern das Gefühl, das du transportierst. Eine ehrliche, gut gespielte Aufnahme schlägt jede technisch perfekte, aber leblose Performance.
Viel Spaß beim Recorden!
Fabian Matzen von soundandgo.com
Tipp: Im Youtubekanal von soundandgo.com werden neue Mikrofone für verschiedene Zwecke getestet. Schau gerne mal rein!

