Neustart: Jamiroquai auf Tour und neues Album in Arbeit
30 Jahre ist es nun her, als ein verrückter Derwisch mit Jogginganzug und überdimensionaler Fellmütze plus Hörnern die Musikwelt durcheinander wirbelte. Jay Kay, der Kopf von Jamiroquai, ist jemand, dem der Groove aus allen Poren strömt. Die Band ist wieder am Start und die alten Hits sind auch bei jungen Musikfans beliebt.
Die 90er-Jahre waren in jeglicher Hinsicht ganz anders als die 80er. Plötzlich überspülten monotone Techno-Beats die Charts und Clubs, was recht anstrengend war für alle, die eher Fans von melodiösen Kompositionen und handgemachter Musik waren.
Insgesamt waren die 90er aber voller musikalischer Experimente. Es gab ganz neue Hörerlebnisse. Zwischen eingängigen Party-Hits wie „Saturday Night“ von Whigfield oder Britney Spears Pop-Dauerbrennern prägten und überraschten Bands wie Destinys Child mit verschachtelten Gesangslinien, ungewöhnlich-schrägen Melodieläufen sowie versetzten Rhythmen. Wer hätte vorher gedacht, dass Chart-Hits einmal so anspruchsvoll werden könnten?
Die Zeit war wohl wirklich sehr reif für große Veränderungen in der Musikwelt. Aber nicht alle Stilrichtungen fanden auch Bestand. Es haben sich damals viele verschiedene Genres entwickelt, die die Musikfans sehr zerteilt haben, während man in den 80er Jahren eher einen einheitlicheren Geschmack hatte und mit den Chart-Hits fast jeder etwas anfangen konnte.
Mitten in dieses Wirrwarr grätschte dann Jamiroquai. Der Stil war dem guten alten Funk&Soul zuzuordnen, aber mit neuen Sounds vermengt.
Vor allem Jay Kay als körpergewordener Funkgroove prägte den Stil der Band und katapultierte den 70er-Disco-Sound mit einem Schlag in die 90er – ganz ohne Glitzer und Kitsch.
Dem coolen Mix aus pumpendem Bass, knackigen Bläsersätzen, Didgeridoo, jazzigem Piano und sphärischen Synthesizern konnte kaum jemand widerstehen.
Die Konzerte von Jamiroquai waren schon fast gefährlich, wenn man sich im vorderen Drittel vor der Bühne aufhalten wollte, denn das Publikum befand sich in einer einzigen Dance-Ekstase und fast jeder zappelte und wirbelte herum, eben ganz wie Jay Kay auf der Bühne.
Jamiroquai war und ist ein stilistisches Universum, das sich zwischen Retro und Futuristischem bewegt und dabei auch die verschiedensten Einflüsse ganz selbstverständlich zu einem organischen Ganzen verschmilzt.
Die Anfänge: Acid Jazz aus London
Jamiroquai wurde 1992 in London gegründet – in einer Zeit, in der Acid Jazz (andere Bands waren „The Brand New Heavies“ oder „Incognito“) gerade seinen Höhepunkt erlebte. Dieser Musikstil verband Jazz, Funk und Soul mit moderneren Beats und Sounds.
Jay Kay (Jason Luís Cheetham), geb. 1969 war von Anfang an das Gesicht und die Stimme der Band. Inspiriert wurde er von Größen wie Stevie Wonder, Sly & The Family Stone oder James Brown.
Der Bandname „Jamiroquai“ ist eine Mischung aus „Jam“ (für spontane Improvisation) und „Iroquai“ (Anlehnung an den Stamm der Irokesen – Jay Kay trug oft indianisch inspirierte Kopfbedeckungen).
Mit ihrer ersten Single „When You Gonna Learn?“ (1992) machte die Band auf sich aufmerksam und landete einen Plattenvertrag bei Sony Music.
Der große Durchbruch: Funk für die Welt mit Botschaften
Das Debütalbum „Emergency on Planet Earth“ (1993) war nicht nur ein musikalischer Erfolg, sondern auch ein Statement: Jay Kay sang über Umweltschutz, Konsumkritik und Spiritualität – Themen, die für eine junge Generation Anfang der 90er hochaktuell waren.
Weitere Meilensteine waren „The Return of the Space Cowboy“ (1994) – Funkige Grooves und gesellschaftskritische Texte. „Travelling Without Moving“ (1996) – das meistverkaufte Funk-Album aller Zeiten. Darauf: die Megahits Virtual Insanity (Grammy-Gewinner 1997) und Cosmic Girl.
Interessant: Das legendäre Musikvideo zu Virtual Insanity (Jay Kay tanzt in einem sich verschiebenden Raum) gehört bis heute zu den ikonischsten Clips der MTV-Ära!
Skurriler Look zu explosiven Dance-Hits
Jamiroquai steht für eine explosive Dance-Mischung aus Funk, Soul, Jazz, Disco und Pop.
Jay Kays exzentrische und merkwürdige Looks, bestehend aus übergroßen, oft felligen Kopfbedeckungen oder indianischen Häuptlingsfedern, futuristischen Outfits oder meist einfach nur schäbig wirkenden Jogging-Anzügen machten ihn zu einer schillernden Bühnenfigur, und zwar ganz ohne Glitzer – denn ein „sumpfiger“ Look war in den 90ern sehr gefragt, siehe Grunge.
Während viele Bands der 90er längst vergessen sind, blieb Jamiroquai Kult, wenn auch nur für die kleiner gewordene Fan-Gemeinschaft von Groove-Musik mit 70er-Touch.
Die 2000er: Chartstürmer und Rückzug
Auch in den 2000er-Jahren landete Jamiroquai noch Hits – etwa mit Deeper Underground (1998, bekannt aus dem „Godzilla“-Soundtrack) oder Canned Heat (1999, unvergessen aus dem Tanzfilm Billy Elliot).
Alben wie „Synkronized“ (1999), „A Funk Odyssey“ (2001) und „Dynamite“ (2005) brachten die Band weiterhin in die Charts, doch der große Hype der 90er ebbte langsam ab.
Mit „Rock Dust Light Star“ (2010) und „Automaton“ (2017) meldete sich Jamiroquai noch einmal zurück. Automaton brachte den typischen Future-Funk zurück, aber danach wurde es still.
Viele Fans fragten sich: War das das Ende einer Ära?
Schicksalsschlag und Neuanfang
2024 traf die Band ein schwerer Verlust: Bassist Derrick McIntyre starb bei einem Autounfall. Jay Kay würdigte ihn als „außergewöhnlichen Musiker und Freund“.
Doch trotz dieses Rückschlags kündigte die Band im selben Jahr ein neues Album an. Die Aufnahmen begannen im Frühjahr 2024.
Comeback: Tour 2025 – „The Heels of Steel“
Nach fast acht Jahren Pause geht Jamiroquai 2025 wieder auf große Tour. Die „The Heels of Steel“-Tour führt sie durch 14 Arenen in Europa und Großbritannien, u.a. nach Barcelona, Köln, Paris, Berlin, Wien und London. Wann das neue Album nun endlich erscheint, ist bisher noch nicht bekannt – wir bleiben dran!
👉 Alle Infos und Tourdaten zu Jamiroquai!
Entwicklung im Überblick
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Frühe 90er: Starker Acid-Jazz, Funk und Didgeridoo-Sounds (Emergency on Planet Earth, Space Cowboy).
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Mitte/Ende 90er: Mehr Disco-Pop, internationale Hits (Travelling Without Moving).
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2000er: Elektronischer, clubtauglicher, experimentierfreudiger (Synkronized, Funk Odyssey).
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Ab 2010: Rückkehr zu organischer Instrumentierung und dann futuristische Elektronik (Rock Dust Light Star, Automaton).
👉 Insgesamt gibt es 8 Studioalben von Jamiroquai (1993–2017).
Im Oktober 2024 feierte Jamiroquai das 30. Jubiläum von The Return Of The Space Cowboy.
Das zweite Album der Band erschien erneut als Doppel-LP auf 140g „Moon Grey“-Vinyl und enthält Michael Grays Good Vibe Zone Edit von Space Cowboy – ein Track, der noch nie zuvor auf einem physischen Tonträger veröffentlicht wurde.
Welche Musik hat Jay Kay und die Band so inspiriert? Das erfahren besonders die jüngeren Fans dieses Genre in der bandeigenen Band-Playlist:
Wer schreibt denn nun die Hits von Jamiroquai?
Tatsächlich ist es die Groove-Machine himself, der hinter den Hits steht. Jay Kay ist maßgeblich an der Entstehung der Musik, der Texte und der Melodien beteiligt und prägt damit den typischen Jamiroquai-Sound. Besonders bei bekannten Songs wie Virtual Insanity, Cosmic Girl oder Canned Heat.
In den frühen Alben arbeiteten zudem andere Bandmitglieder wie Toby Smith am Keyboard oder Stuart Zender am Bass als Co-Autoren mit, wodurch das Songwriting ein gemeinschaftlicher Prozess war.
Auf späteren Alben, zum Beispiel Rock Dust Light Star oder Automaton, arbeitet Jay Kay auch mit externen Produzenten und Songwritern zusammen, etwa Mike Spencer, Matt Johnson oder Paul Turner. Diese Mitwirkenden kümmern sich vor allem um Arrangement, Beats und Sounddesign, während Jay Kay die Hauptideen liefert.
Kurz gesagt: Jay Kay ist der kreative Kopf hinter Jamiroquai. Ohne ihn gäbe es die typischen Hits der Band nicht.
Übersichtstabelle – Wer ist aktuell dabei und wer war früher Teil der Band?
| Rolle | Aktuell | Früher & bedeutsam |
|---|---|---|
| Gesang | Jay Kay (seit 1992) | – |
| Schlagzeug | Derrick McKenzie (seit 1994) | Nick Van Gelder (1992–1993) |
| Percussion | Sola Akingbola (seit 1994/95) | Maurizio Ravalico (1992–1994) |
| Gitarre | Rob Harris (seit 2000) | Gavin Dodds, Simon Katz, Simon Bartholomew, etc. |
| Keyboards | Matt Johnson (seit 2002), Nate Williams (post-2017) | Toby Smith (1992–2002) |
| Bass | Paul Turner (seit 2005) | Stuart Zender (1992–1998), Nick Fyffe (1998–2003) |
| Bläser (Sax/Flöte/Trompete) | James Russell, Jim Corry, Malcolm Strachan (seit 2010) | Diverse frühe Bläser (z. B. Revell, Barnacle, Thirkell, Shaw) |
| Backing Vocals | Lorraine McIntosh, Hazel Fernandez (bei Shows/AFO) | Sia, Sam Smith, Valerie Etienne |
| DJ / Turntables | – | DJ D-Zire (1992–2001) |
| Didgeridoo / Vibraphon | – | Wallis Buchanan (1992–1999) |
Titelbild: Jamiroquai, copyright: Midori_Tsukagoshi

