Die Nominierten für den Jazzpreis 2026

Der Deutsche Jazzpreis geht in die sechste Runde – und die Nominierten für 2026 stehen fest. Rund 1.200 Einreichungen, 30 Jurymitglieder und 22 Kategorien zeigen einmal mehr, wie groß die Spannweite und Dynamik der aktuellen Jazzszene ist.
In einem mehrstufigen Auswahlverfahren haben eine international besetzte Fachjury sowie eine eigens berufene Sonderjury Künstler:innen, Produktionen, Festivals, journalistische Arbeiten und Projekte der Musikvermittlung ausgewählt, die im kommenden Jahr auf eine der begehrten Auszeichnungen hoffen dürfen.
Erfahre mehr über die Preiskategorien und den Beirat: Über den Preis – Deutscher Jazzpreis
Jazz in all seinen Facetten
Der Deutscher Jazzpreis würdigt herausragende künstlerische und kulturelle Leistungen im zeitgenössischen Jazz. Die diesjährigen Nominierungen spiegeln die enorme stilistische Vielfalt der Szene wider – von intimen Vokalprojekten über große Orchesterformate bis hin zu genreübergreifenden Experimenten.
Über die Auswahl entschied eine 25-köpfige Fachjury, ergänzt durch fünf Mitglieder einer Sonderjury für die Kategorie Komposition/Arrangement. Gemeinsam vereinen sie Perspektiven aus künstlerischer Praxis, Journalismus, Wissenschaft und Kulturorganisation. Bewertet wurde nach transparenten Kriterien, die sowohl künstlerische Exzellenz als auch gesellschaftliche Relevanz in den Blick nehmen.
Hier die Preisträger von 2025 auf quobus anhören
„Ein Katalysator für Innovation“
Wie bedeutsam eine Nominierung sein kann, beschreibt die Preisträgerin 2025, Sera Kalo:
„Nominiert zu sein war für mich eine Erinnerung daran, dass all die Arbeit, die Risiken und die schlaflosen Nächte zählen. Als Künstlerin, die sich zwischen Genres und Communities bewegt, hat es mich tief berührt, im Jazzkontext gesehen zu werden.
Der Deutsche Jazzpreis kann ein Katalysator sein – für Aufmerksamkeit, Ressourcen und Legitimität – und sendet ein starkes Signal, dass Innovation und kulturelle Relevanz ins Zentrum des Jazz gehören.“
Die Auszeichnung habe ihr zudem bestätigt, dass Künstler:innen, die das Jazzidiom erweitern, Teil seiner lebendigen Weiterentwicklung sind.

© Robert Winter
Wie es weitergeht
Im nächsten Schritt wählt die Hauptjury aus dem Kreis der Nominierten die Preisträger:innen 2026. Insgesamt werden 22 Preise vergeben, jeweils dotiert mit 12.000 Euro. Auch die weiteren Nominierten erhalten ein Nominierungsgeld in Höhe von 4.000 Euro – eine Anerkennung, die über reine Sichtbarkeit hinausgeht.
Die feierliche Preisverleihung findet am 25. April 2026 im Congress Centrum Bremen statt – im Rahmen des 20-jährigen Jubiläums der jazzahead!, die sich seit zwei Jahrzehnten als internationale Plattform der Jazzbranche etabliert hat.
Moderiert wird der Abend von Thelma Buabeng und Götz Bühler. Als erster Live-Act ist das Moses Yoofee Trio bestätigt; weitere musikalische Beiträge folgen in den kommenden Wochen.

© Robert Winter
Ein Blick auf die Nominierten
Die Liste der Nominierten zeigt eindrucksvoll die Bandbreite des aktuellen Jazzgeschehens – von etablierten Stimmen bis zu spannenden Debüts, von großen Ensembles bis zu intimen Produktionen.
Unter den Nominierten finden sich unter anderem:
- Camila Nebbia
- Fabia Mantwill Orchestra
- Brandee Younger
- Johnathan Blake
- das Jazzfest Berlin
- sowie das moers festival
Insgesamt erstrecken sich die Nominierungen über Künstler:innen-Kategorien, Album- und Produktionspreise, Live-Formate, Komposition/Arrangement sowie Sonderpreise für journalistische Leistungen und Musikvermittlung.
Eine vollständige Übersicht aller Nominierten sowie Informationen zur Preisverleihung sind unter www.deutscher-jazzpreis.de abrufbar.
Mit der Bekanntgabe der Nominierten ist der Startschuss gefallen – nun richtet sich der Blick auf April 2026, wenn sich entscheidet, wer die Auszeichnungen mit nach Hause nimmt. Bis dahin zeigt die Liste vor allem eines: Der zeitgenössische Jazz lebt, bewegt und entwickelt sich weiter – vielstimmig, international und offen für neue Perspektiven.
Interview mit Götz Bühler
(Quelle: macheete.com)

© Robert Winter
Interview mit Götz Bühler, Journalist, Radiomoderator und künstlerischer Leiter der jazzahead! bewegt er sich zwischen Szene, Öffentlichkeit und Struktur. 2026 moderiert er gemeinsam mit Thelma Buabeng die Preisverleihung. Im Presse-Interview spricht er über gegenwärtige Dynamiken, internationale Vernetzung und die Bedeutung von Anerkennung im Jazz.
„Sie beobachten die Jazzszene seit vielen Jahren: als Journalist, Kurator und Moderator. Mit welchem Blick schauen Sie heute auf den Deutschen Jazzpreis?“
Götz Bühler: „Ich wünschte, ich könnte sagen, dass ich aus der Vogelperspektive auf den Deutschen Jazzpreis schaue. Aber zumindest verschafft uns die Liste der Nominierten so etwas wie einen Spannungsbogen über das, was gerade im Jazz passiert – national und international. Natürlich habe ich auch den Blick des Co-Moderators, der sich immer wieder darüber freut, dass diese doch sehr heterogene Szene am Abend des Deutschen Jazzpreises feierlich zusammenfindet.2
„Wenn Sie auf die aktuelle Jazzszene blicken: Welche Dynamiken oder Verschiebungen prägen sie im Moment besonders?“
Götz Bühler: „Meiner Meinung nach war Jazz noch nie ein so weit gefasster Begriff wie heute. Dass diese so unterschiedlichen Strömungen, Stile und Szenen, die heute dazugehören, in einer Musik zusammenkommen, die schließlich auf Improvisation basiert und diese in vielerlei Hinsicht lebt, halte ich nur für logisch. Natürlich freut es mich außerdem, dass immer mehr junge Musiker:innen ihren Weg im Jazz finden – und vor allem immer mehr Frauen. Auch das ist etwas, das Veranstaltungen wie der Deutsche Jazzpreis und die jazzahead! verantwortungsvoll abbildet.“
Jazz ist heute oft genreübergreifend, kollaborativ und international vernetzt. Verändert diese Offenheit auch die Erwartung an Institutionen wie den Deutschen Jazzpreis?
Götz Bühler: „Ich denke, dass der Deutsche Jazzpreis diese Internationalität und Universalität des Jazz repräsentiert. Nicht nur die Lebensrealitäten einer sich ständig verändernden Musik- und Livebranche tragen dazu bei, dass Musiker:innen über den nationalen Tellerrand hinaus agieren, sondern auch der Wunsch, im gegenseitigen Austausch zu mehr Verständnis zu finden. Jazz war schon immer eine Musik, die im besten Fall Unterschiede willkommen geheißen hat und von ständiger Entwicklung und Veränderung lebt.“
„In Ihrer Arbeit erleben Sie Künstler:innen sehr nah. Welche Arbeitsrealitäten begegnen Ihnen dabei, und was kann ein Preis in diesem Zusammenhang überhaupt sichtbar machen?“
Götz Bühler: „Man darf sich nichts vormachen: Die meisten Künstler:innen arbeiten unter erschwerten finanziellen Bedingungen. Daran hat sich wenig geändert. Aber sie sind sich auch des Privilegs bewusst, ihr Talent ausleben zu können und dabei möglichst tatkräftig, sprich finanziell, unterstützt zu werden. Ein Preis kann diese Realität nicht ändern, aber er ist ein deutliches Zeichen. Und eben auch eine wichtige Anerkennung und Belohnung für alles, was hinter dem ausgezeichneten Kunstwerk oder der ausgezeichneten Künstler:in steht.“
„Jazz gilt als freie Kunstform, ist zugleich stark von Förderstrukturen abhängig. Wie lässt sich dieses Spannungsfeld produktiv denken?“
Götz Bühler: „Kultur ist kein Luxus, sondern Lebensmittel; ein essenzieller Bestandteil unserer Gesellschaft. Was uns Kunst gibt, ist unbezahlbar und doch absolut notwendig. Wir alle profitieren von den Leistungen der wenigen, die ihr Leben der Kunst widmen. Auch ganz direkt, wenn man sich ansieht, wie viele ausgebildete Jazzmusiker:innen die Musik für zum Beispiel Theaterproduktionen oder Popstars machen oder ihr Wissen als Lehrende weitergeben. Dazu kommt die internationale Perspektive: Wenn man auch in Zukunft vielleicht als Land der Dichter und Denker wahrgenommen werden möchte, empfiehlt es sich, diese zu fördern. Ich jedenfalls freue mich mehr darüber, im Ausland auf Bands, Filme oder Bücher angesprochen zu werden als auf Fußball oder Bratwurst.“
„Wenn Sie Jazz heute jemandem erklären müssten, der ihn vor allem mit Tradition verbindet: Welche Geschichte über die Gegenwart würde der Deutsche Jazzpreis erzählen?“
Götz Bühler: „In all seiner Innovation lebt Jazz seine Tradition. Die verbindende Befreiungskraft des ursprünglich afroamerikanischen Jazz steckt auch heute noch hinter allem, was sich Jazz nennt. Natürlich passiert es mir selbst auch oft, dass Freunde, die nicht in meiner – oder unserer – Jazz-Bubble unterwegs sind, irritiert auf das reagieren, was sie zu hören bekommen. Doch meistens spüren sie schon nach kurzer Zeit mindestens die Energie und die Fantasie, die dahinterstecken. Ich hoffe sehr, dass wir uns bald von dem Gedanken lösen, dass Jazz eine Musik ist, die nur wenigen Eingeweihten vorbehalten ist. Denn das stimmt so einfach nicht! Mir ist bisher noch niemand begegnet, der nicht zumindest irgendwo in der großen weiten Jazzwelt einen Anknüpfungspunkt findet – und vor allem Freude empfindet und daraus vielleicht irgendwann auch eine Leidenschaft für diese kraftvolle, spannende und im besten Sinne herausfordernde Musik entwickelt.“
Bilder: © Robert Winter

