David Coverdale – die Stimme von Whitesnake wird 75

David coverdale symbolbild

 
Deep Purple überlebt, Whitesnake zur eigenen Marke gemacht und den Hardrock über fünf Jahrzehnte mitgeprägt: David Coverdale ist nicht irgendein Rocksänger, sondern eine Ikone, die jetzt ihren 75. Geburtstag feiert!

David Coverdale wird 75das wäre an sich eine gute Gelegenheit, nochmal in die Rockerkluft zu steigen, die nicht mehr so lange Mähne zu richten und ein „Here I Go Again“ auf der Bühne zu schmettern. Doch Coverdale hat schon länger einen Schlussstrich unter die öffentliche Karriere und Präsenz auf Social Media gezogen – zum Bedauern aller Whitesnake Fans, denn er hatte noch bis November 2025 seine Follower auf Instagram mit privaten Picks und wirklich liebevollen Botschaften fast jeden Tag beglückt.

Aber als Rocksänger, dessen Beruf körperlich extrem anspruchsvoll ist, hatte er in seinen letzten Bühnen-Jahren mit mehreren ernsthaften gesundheitlichen Rückschlägen zu kämpfen. Gerade eine langwierige Nebenhöhlen-Infektion 2022 war für den Frontmann problematisch, weil seine wichtigste „Ausrüstung“ eben seine Stimme betroffen war.

Sein letzter Whitesnake-Auftritt fand im Juni 2022 beim Hellfest in Frankreich statt. Erst danach machten die gesundheitlichen Probleme die Fortsetzung der Abschiedstour unmöglich.

Abschiedstext auf Social Media:

Meine Damen und Herren, Jungen und Mädchen, Brüder und Schwestern der Snake, ich habe eine besondere Ankündigung für euch. Nach mehr als 50 Jahren einer unglaublichen Reise mit euch – mit Deep Purple, mit Whitesnake, mit Jimmy Page – ist mir in den letzten Jahren klar geworden, dass es Zeit ist, meine Rock’n’Roll-Plateauschuhe und meine hautengen Jeans an den Nagel zu hängen.“

Seinen 75. Geburtstag am 22. September 2026 feiert er deshalb nicht als rastloser Rockstar on Tour, sondern privat.

 

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Von Saltburn nach Deep Purple

David Coverdale wurde 1951 im nordenglischen Saltburn-by-the-Sea geboren. In einem musikalischen Elternhaus aufgewachsen, lernte er zunächst Gitarre. Zum Sänger wurde er erst viel später, nämlich während seines Kunststudiums – zu dieser Zeit sang er in verschiedenen lokalen Bands. 1969 hatte seine damalige Gruppe The Government die Gelegenheit, als Vorband von Deep Purple aufzutreten.

Der Grundstein für die sensationelle Karriere und seinen Status als Rocklegende war vielleicht da schon gelegt.

1973 suchte Deep Purple nach einem neuen Sänger. Ian Gillan hatte die Band verlassen, und Coverdale bewarb sich auf eine Anzeige im Melody Maker. Zu diesem Zeitpunkt war er aber wirklich noch alles andere als ein etablierter Rockstar. Er arbeitete unter anderem als Verkäufer in einer Boutique! Trotz seiner genialen Stimme… aber wie wir alle wissen: das reale Leben schleift und formt auch die Musikerpersönlichkeit. Coverdale stach mit einem zugeschickten Tape die anderen Bewerber aus und wurde Sänger von Deep Purple.

 

 

Mit ihm und Bassist Glenn Hughes entstand die sogenannte Mark-III-Besetzung. 1974 erschien „Burn“, im selben Jahr folgte „Stormbringer“. Beide Alben gehören heute zu den prägenden Veröffentlichungen der Deep-Purple-Geschichte. Coverdales Stimme brachte dabei eine andere Farbe in die Band: weniger hoch und irisierend wie Gillan, dafür kratziger, kehliger, aber auch wärmer und tief. Ehrlicherweise muss man sagen, dass manche Deep Purple Songs aber auf die höhere Stimme von Gillan ausgerichtet waren.

Coverdales Stimme ist also auch ein wenig ungewöhnlich für Hard Rock Bands allgemein, wo meist sehr hoch bis schrill gesungen wurde.

Er prägte mit seiner anderen Klangfarbe auch noch das Album „Come Taste the Band“ (1975), bevor sich die Besetzung der Band auflöste und Coverdale den Schritt in eine Solokarriere wagte. Sein Solo-Debüt „White Snake“ von 1977 wurde später zum Namensgeber seiner eigenen Band. 1978 folgte „Northwinds“, ehe noch im selben Jahr Whitesnake gegründet wurde.

Hier komplettes Album „Northwinds“ anhören:

 

 

Erfolgreiche Jahre mit Whitesnake

Mit Whitesnake veröffentlichte Coverdale insgesamt 13 Studioalben, darunter das selbstbetitelte Erfolgsalbum von 1987. Es enthielt Klassiker wie „Here I Go Again“, „Still of the Night“ und „Is This Love?“. Weitere Meilensteine der Band: „Fool for Your Loving“, „Don’t Break My Heart Again“ und „Give Me All Your Love“.

In den frühen 90er-Jahren arbeitete Coverdale drei Jahre lang mit Led-Zeppelin-Gitarrist Jimmy Page unter dem Namen Coverdale/Page zusammen. Die gemeinsame Platte erschien 1993 und erhielt Platin.

Im Laufe seiner Karriere war er zudem als Gastmusiker an Projekten von Roger Glover, Jon Lord, Cozy Powell, Steve Vai, Bernie Marsden, Adrian Vandenberg und Phil Collens Band Delta Deep beteiligt.

 

 

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Whitesnake: Vom Bluesrock zum internationalen Rockphänomen

Whitesnake startete 1978 deutlich bluesiger, als viele Menschen die Band heute in Erinnerung haben. Coverdale arbeitete mit wechselnden Musikern, und genau diese wechselnden Besetzungen wurden beinahe zu einem Markenzeichen der Band.

Gitarristen wie Bernie Marsden, Micky Moody, John Sykes, Adrian Vandenberg, Steve Vai und später Doug Aldrich gehörten zu unterschiedlichen Zeiten zum Whitesnake-Universum. Die Konstante blieb die Stimme von Coverdale.

Mit „Slide It In“ von 1984 deutete sich bereits an, wohin die Reise gehen sollte. Der bluesige Hardrock bekam mehr Wucht, größere Produktionen und einen Sound, der hervorragend in die aufkommende Ära des Stadionrocks passte. Dann kam 1987.

 

„Here I Go Again“ – und plötzlich war alles noch größer

Das selbstbetitelte Album „Whitesnake“ machte aus der erfolgreichen Hardrock-Band ein internationales Phänomen.

„Here I Go Again“ wurde zum Welthit. „Is This Love“ folgte und zeigte gleichzeitig eine andere Seite Coverdales: weniger donnernder Rock’n’Roll, mehr große, dramatische Ballade. Dazu kamen die ikonischen Videoclips der MTV-Ära mit seiner damaligen Frau Tawny Kitaen, die witzigerweise Claudia Schiffer ersetzte.

Whitesnake war plötzlich nicht mehr ausschließlich eine Band für Rockfans. Coverdales Stimme, seine Bühnenpräsenz und die visuelle, dramatische Inszenierung machten ihn zu einem der bekanntesten Frontmänner des Hardrock.

Interessant ist dabei, dass „Here I Go Again“ ursprünglich gar kein neuer Song war. Coverdale hatte ihn bereits 1982 für Whitesnake geschrieben. Aber erst die neu aufgenommene Version (Fans der Band sagen auch „weichgespültere Version“) brachte den weltweiten Durchbruch.

Kritiker sahen es allerdings auch so, dass ihnen Whitesnake nun zu kommerziell und mainstream wurde. Aber welcher Musiker möchte nicht noch mehr Hörer erreichen? Jedenfalls wurde aus dem Bluesrock-Sänger mit der markigen Stimme endgültig eine der größten Stimmen des internationalen Hardrock. Der Nachteil der kommerziellen Hits ist aber, das viele die wesentlich anspruchsvollere Seite von Whitesnake gar nicht kennen.

Nachdem der Erfolg von Whitesnake zu Beginn der 90er Jahre abflachte, widmete sich Coverdale neuen Projekten wie der Kooperation mit Jimmy Page. 1994 gab es noch ein Greatest Hits Album von Whitesnake. Aber der Re-Einstieg in die Charts gelang nicht mehr, sodass die Plattenfirma Geffen Records die Band aus ihrem Vertrag entließ.

1997 folgte das Album „Restless Heart“ unter dem Namen David Coverdale & Whitesnake. Dann folgten eine Abschiedstournee 1997 unter dem Motto The Last Hurrah! statt. Das Unplugged-Livealbum „Starkers! in Tokyo 1997 war die letzte Veröffentlichung im zweiten Jahrtausend.

Die späten Whitesnake-Jahre

Nach einer langen Pause mit einzelnen Soloprojekten von Coverdale kehrte Whitesnake 2008 mit „Good To Be Bad“ zurück – dem ersten Studioalbum seit Restless Heart von 1997. Das Album schaffte es in Großbritannien in die Top 10 und wurde bei den Classic Rock Awards 2008 sogar als „Album of the Year“ ausgezeichnet. Songs wie „Best Years“ und „Summer Rain“ wurden anschließend Teil des Live-Repertoires.

2011 folgte „Forevermore“. Auch daraus schafften es Stücke ins Liveprogramm. Der Titelsong „Forevermore“ wurde beispielsweise 2022 sogar auf der offiziellen Greatest-Hits-Zusammenstellung berücksichtigt – zwischen den großen Klassikern.

Dann kam 2015 mit „The Purple Album“ ein etwas anderes Kapitel: Coverdale kehrte zu seiner eigenen Vergangenheit zurück und nahm Songs aus seiner Deep-Purple-Zeit mit Whitesnake neu auf.

„Flesh & Blood“ erschien 2019 und war das 13. Studioalbum der Band. Es enthielt nicht nur neue Songs, sondern eine komplette neue Sammlung von Whitesnake-Material.

Daraus wurden unter anderem

  • „Shut Up & Kiss Me“
  • „Trouble Is Your Middle Name“
  • „Hey You (You Make Me Rock)“

als Singles bzw. Videos herausgebracht. „Shut Up & Kiss Me“ war die erste Single und wurde von Coverdale ausdrücklich als augenzwinkernde Rückbesinnung auf die eigene Whitesnake-Vergangenheit angelegt. Im Video tauchten sogar sein alter Jaguar und die türkise Seidenjacke aus dem legendären „Here I Go Again“-Video wieder auf.

Das Album war durchaus erfolgreich: In Deutschland stieg „Flesh & Blood“ auf Platz 3 der Albumcharts ein.

Aber: Keiner dieser Songs wurde ein neuer Welthit im Kaliber von „Here I Go Again“.

Auf der Bühne überwogen am Ende die Klassiker

Das sieht man besonders an der Setlist der Abschiedstournee 2022.

Beim Konzert in Oberhausen standen beispielsweise „Slide It In“, „Love Ain’t No Stranger“, „Slow an‘ Easy“, „Fool for Your Loving“, „Crying in the Rain“, „Is This Love“, „Give Me All Your Love“, „Here I Go Again“ und „Still of the Night“ auf dem Programm. Dazu kamen mit „Hey You (You Make Me Rock)“ ein Stück von Flesh & Blood und mit „Burn“ sogar noch ein Deep-Purple-Klassiker.

Whitesnake spielte also bis zum Schluss nicht ausschließlich alte Hits. Aber die alten Hits waren das Fundament, auf dem die späteren Jahre standen.

 

75 Jahre David Coverdale

Ein Rockmonument feiert Geburtstag und steht leider nicht mehr wie die Deep Purple Kollegen oder die Rolling Stones auf der Bühne, aber das Whitesnake und Coverdale Universum wird weiter leben, denn David hat sich schon unsterblich gemacht.

Persönlicher Bezug:

Es fällt mir schon schwer, diesen Artikel sachlich und „nüchtern“ zu schreiben, statt groupiemäßig in Lobhudelei zu verfallen, bin ich doch großer Fan dieser Stimme! Diese hat mich in den 90er Jahren auf unzählige Autofahrten im orangen Käfer zur Uni begleitet und ich habe die damaligen Platten, auch die „Northwinds“, förmlich bis zum Erbrechen gehört! Ich kannte jeden Ton und jeden Atmer von David ins Mikro.

Irgendwann wurde diese Phase dann aber von anderen Bands und anderer Musik wie Rush, Tower of Power (ja, ich bin stilistisch sehr wandelbar in meinem Geschmack) oder Jamiroquai abgelöst. Auch andere Bands habe ich dann phasenweise fast ausschließlich und rauf und runter gehört, bis ich jeden Ton kannte, aber keine Band mehr so intensiv wie Whitesnake.

Man kann also mit Fug und Recht sagen, dass Whitesnake und David Coverdale fest in meinem Leben verankert sind. Ich betrachte David ein bisschen wie meinen „Rockvater“ und als „Guardian Angel“, der mich einfach eine Weile lang begleitet hat. Und stellt man sich so nicht  Engel vor, die den bösen Mächten trotzen, mit brachialer Sturmgewalt, Reibeisenstimme, durch Unwetter und Angriffe geformt, felsenfest, unerschütterlich und doch mit großem Herz?

Dass hinter der rauen Schale ein weicher Kern steckt, konnte man an Davids Instagram Posts in den letzten Jahren sehen, in denen er seinen Fans stets Botschaften wie „Know YOU Are Truly Loved Beyond Measure“ schickte und eine Warmherzigkeit versprühte, die so gar nicht zum harten Rockerimage zu passen schien. Da wünschen wir David und seinen Lieben doch jetzt alles Gute und besonders bessere Gesundheit!

 

 

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