Festivals: Studie beleuchtet Vielfalt und Herausforderungen

Musikfestival draußen, Bühne

Eine neue bundesweite Studie liefert erstmals repräsentative Daten zu Struktur, Finanzierung und gesellschaftlicher Bedeutung von Festivals in Deutschland. Die Studie ist ein gemeinsames Projekt der Initiative Musik, der Bundesstiftung LiveKultur und des Deutschen Musikinformationszentrums.

Die frei zugängliche Festivalstudie liefert erstmals eine umfassende und systematische Bestandsaufnahme der deutschen Musikfestivallandschaft. Beauftragt wurde sie von der Initiative Musik, der Bundesstiftung LiveKultur sowie dem Deutschen Musikinformationszentrum und durchgeführt vom Institut für Demoskopie Allensbach.

Grundlage bilden die Daten einer bundesweiten Vollerhebung unter 1.764 Festivalveranstaltenden. 638 von ihnen beteiligten sich im Winter 2024/25 an einer Online-Befragung.

Damit entsteht eine belastbare und repräsentative Datengrundlage, die erstmals fundierte Aussagen zu Umfang, Struktur und Vielfalt von Musikfestivals in Deutschland erlaubt. Dank des genreübergreifenden Ansatzes lassen sich zudem strukturierte Vergleiche zwischen verschiedenen Festivaltypen und Musikrichtungen ziehen.

Vielfalt und Struktur der Festivals

Die Ergebnisse machen die große Bandbreite der deutschen Festivallandschaft deutlich. Mit 71 Prozent überwiegen Festivals aus dem Bereich Popularmusik (inklusive Jazz), während etwa ein Viertel (24 Prozent) einen klassischen Schwerpunkt hat.

Im Durchschnitt deckt ein Festival 4,9 Genres aus insgesamt 26 Kategorien ab – ein Hinweis auf stilistische Offenheit und programmatische Vielfalt.

42 Prozent der Veranstaltenden integrieren neben Musik auch weitere Kunstformen wie Literatur, Tanz, Theater oder Performance. Darüber hinaus ergänzen 81 Prozent ihr Programm durch kulturelle oder soziale Angebote wie Workshops, Kinderprogramme oder Kulturvermittlung.

Pro Festival finden im Schnitt rund 30 Konzerte oder Acts statt, darunter zwölf mit Nachwuchskünstler:innen. Hochgerechnet ergibt das etwa 51.000 Konzerte und Acts pro Jahr in ganz Deutschland.

Klassikfestivals dauern mit durchschnittlich 13 Tagen deutlich länger als Popularmusikfestivals, die meist rund drei Tage umfassen. Mehr als die Hälfte der Veranstaltenden legt besonderen Wert darauf, lokale Künstler:innen einzubinden.

Grafik Vielfalt der Musikstile


Standorte und Publikum

Die Mehrheit der Festivals ist in städtischen Räumen angesiedelt, doch nur 17 Prozent finden in Großstädten wie Berlin, München oder Köln statt. Rund 60 Prozent sind in kleineren Gemeinden mit weniger als 100.000 Einwohner:innen beheimatet.

Die Publikumsstruktur hängt stark vom Genre ab: Klassikfestivals ziehen vor allem Besucher:innen ab 60 Jahren an, elektronische Musik begeistert hauptsächlich Menschen unter 30, und auch Popfestivals sprechen überwiegend jüngere Zielgruppen an.

Jazz- und Neue-Musik-Festivals erreichen ein gemischtes, aber eher älteres Publikum ab 45 Jahren. In der Regel stammt das Publikum aus der jeweiligen Region; nur Großveranstaltungen mit mehr als 15.000 Besucher:innen verzeichnen einen nennenswerten internationalen Anteil.

Die durchschnittliche Auslastung liegt bei 76 Prozent. Größere Festivals erzielen mit rund 84 Prozent bessere Werte, während kleine Formate mit bis zu 899 Besucher:innen im Schnitt auf 69 Prozent kommen.

Trotz dieser insgesamt positiven Bilanz berichten viele Veranstaltende von Schwierigkeiten bei der langfristigen Publikumsbindung, unsicheren Ticketverkäufen und den sich wandelnden Freizeitgewohnheiten der Zielgruppen.

festival Bühne drinnen

Finanzielle Lage angespannt

Hochgerechnet auf die gesamte deutsche Festivallandschaft ergeben sich Einnahmen von rund 551 Millionen Euro bei Ausgaben von 522 Millionen Euro. Festivals sind damit nicht nur kulturell prägend, sondern geben einen deutlichen Impuls als Wirtschaftsfaktor auch über den Kulturbereich hinaus.

Doch die wirtschaftliche Situation vieler Festivals ist angespannt: Durchschnittlich stehen pro Festival Einnahmen von rund 313.000 Euro Ausgaben von 296.000 Euro gegenüber. Gewinne erzielen lediglich 15 Prozent der Festivals, während etwa 30 Prozent Verluste verzeichnen. Die Mehrheit – nur 18 Prozent verstehen sich als kommerziell ausgerichtet – verfolgt damit vor allem kulturelle und gemeinnützige Ziele.

Mit 38 Prozent der Gesamtausgaben machen Künstler:innenhonorare den größten Kostenfaktor aus. Bei Klassikfestivals liegt der Anteil bei 48 Prozent, bei Popularmusikfestivals bei 34 Prozent. Jazzfestivals innerhalb der Popularmusik weisen hier mit 41 Prozent einen höheren Wert auf.

Die Einnahmenseite unterscheidet sich deutlich: Klassikfestivals sind stärker förderfinanziert, weisen mehrheitlich einen ausgeglichenen Haushalt auf und decken etwa 40 Prozent ihres Budgets aus öffentlichen Mitteln ab; weitere 24 Prozent generieren sie durch Sponsoren, Stiftungen und Mäzene.

Popularmusikfestivals sind marktorientierter, erzielen häufiger Überschüsse, tragen dafür aber höhere wirtschaftliche Risiken und Infrastrukturkosten – insbesondere bei Outdoor-Veranstaltungen. Der Anteil öffentlicher Förderung liegt hier bei rund 20 Prozent.

Klassik optimistischer, Popularmusik und Jazz unter Druck

Auch bei den Zukunftsaussichten zeigen sich Unterschiede je nach Genre: 82 Prozent der Klassikfestivals erwarten eine Fortführung ihres Festivals. Bei Popularmusik- und Jazzfestivals liegt dieser Wert mit 62 Prozent bzw. 68 Prozent deutlich niedriger. 10 Prozent der Popularmusikfestivals befürchten sogar ein unmittelbares Aus – bei Klassikfestivals sind es 4 Prozent.

Nachhaltig und werteorientiert

Über die ökonomische Bedeutung hinaus beleuchtet die Studie die gesellschaftliche Rolle der Festivals. 85 Prozent setzen Maßnahmen zur ökologischen Nachhaltigkeit um, während 53 Prozent auf geschlechtergerechte Line-Ups achten. Diversität spielt vor allem in der Popularmusik eine zentrale Rolle, während sie im Klassikbereich bislang seltener Beachtung findet.

Musikfestival draußen, Bühne


Ehrenamt als Rückgrat der Festivalszene

Unverzichtbar ist das Ehrenamt: Bei 79 Prozent aller Festivals spielt es eine zentrale Rolle – sowohl bei der Planung als auch in der Durchführung. In kleinen Gemeinden ist fast jedes Festival auf freiwillige Helfende angewiesen (97 Prozent). Popularmusikfestivals (83 Prozent) nutzen Ehrenamt häufiger und in größerem Umfang als Klassikfestivals (70 Prozent). Damit bildet das Ehrenamt das Rückgrat vieler Festivals und leistet einen entscheidenden Beitrag zur kulturellen Teilhabe und regionalen Verankerung.

Quelle: Pressemitteilung der initiative-musik.de

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