Instagram Teil 2 : Den neuen Song unzählige Male posten?

Musikerin auf Instagram

 

Aktuell fällt uns auf Instagram immer wieder auf: Ein neuer Song erscheint als Reel – und am nächsten Tag wieder, und wieder, wieder und weitere zig Male. Als Follower nervt dich das vielleicht. Für den Musiker ist die Sache allerdings etwas komplizierter: Denn so erreicht er neue Fans.

Warum Musiker ihre Musik auf Instagram immer wieder zeigen sollten – aber bitte nicht immer gleich

Darin steckt ein kleines Dilemma des Musikmarketings auf Instagram: Was für den Musiker (und die Fans) vielleicht monotone Wiederholung ist, ist für andere eine neue Entdeckung.

Lies auch unseren 1. Teil: Musiker auf Instagram

Warum Wiederholung auf Instagram überhaupt sinnvoll ist

Instagram ist keine chronologische Pinnwand, auf der jeder Follower jeden Beitrag sieht. Ein Reel wird Menschen erreichen, die dem Musiker überhaupt nicht folgen. Aktuell ist es sogar so, dass dies häufig genutzt wird. Auch du wirst sicher öfter in den neuen Reel-Feed schauen und dich inspirieren lassen. Ja, oft schaut man gar nicht mehr seine eigene Timeline durch, sondern direkt nur neue Reels von Leuten, die man noch nicht abonniert hat.

In unserem Instagram-Account, den wir erst nach und nach aufbauen wollen, haben wir aufgrund unseres Suchverhaltens inzwischen eine riesige Fülle an coolen Reels, die man täglich mehrmals durchschauen könnte um immer wieder neue großartige Musiker und Bands zu entdecken. Für uns ist das toll: wir finden neue Themen und Musiker zum Vorstellen. Für Musiker erfordert dies ein bisschen mehr  strategisch zu denken um Erfolg auf Instagram zu haben.

Ein Reel kann Tage und Wochen später noch ausgespielt werden. Ein Nutzer, der heute den ersten Clip gesehen hat, bekommt einen ganz anderen Ausschnitt desselben Songs zu einem späteren Zeitpunkt noch mal angezeigt.

Viele Reels mit ein und demselben Song sind tatsächlich ein sinnvolles „Instrument“ um mehr Leute zu erreichen – oder um die zu überzeugen, die das erste Reel nur beiläufig gehört haben.

Ein Song ist ja kein Joghurt mit Mindesthaltbarkeitsdatum: Da er lange interessant sein soll – im Bestenfall zum Dauerbrenner oder Partyhit werden, ist die Wiederholung sehr clever.

Die Frage ist deshalb nicht: „Wie oft darf ich denselben Song posten?“ Sondern: „Wie oft kann ich denselben Song interessant zeigen?“

Hier hast du mal ein Beispiel von jungen Musikern, die diese Strategie – ja, wir müssen es so sagen – bis zum Erbrechen genutzt haben!! Sie posten ihren Song unzählige Male! Immer wieder stellen sie sich auf die Straße und performen dazu. Und was sollen wir sagen: Es ist irgendwie immer noch witzig.

Der Song hat einfach etwas und man verzeiht ihnen die ständige Wiederholung. Penetrante Wiederholungen können auch überzeugen oder eben in ihrer Dreistigkeit amüsieren. Hier ist es aber auch wirklich so, dass der Song Ohrwurmcharakter hat.

 

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Ein Beitrag geteilt von John Wendlandt || JHNWNDT (@johnwendlandt)

Ein Song kann zehn verschiedene Geschichten erzählen

Nehmen wir jetzt mal keinen hitverdächtigen Song mit deutschem Text, sondern einen reinen Gitarrensong: Beim ersten Reel spielt der Musiker vielleicht den stärksten Teil des Stücks. Schließlich muss man auf Instagram innerhalb von Sekunden überzeugen, packen.

Beim nächsten Video könnte er erklären:

„Für diesen Sound habe ich drei verschiedene Gitarren ausprobiert.“

Dann wäre es interessant, mal die verschiedenen Gitarren zu hören. Ein paar Tage könnte die reine Akustikversion folgen. Danach ein Blick ins Studio. Dann ein Ausschnitt aus der ersten, noch völlig unfertigen Version.  Irgendwann taucht der Song in einer Liveaufnahme auf.

Regel:

Nicht den gleichen Inhalt wiederholen – sondern das gleiche musikalische Werk aus unterschiedlichen Perspektiven zeigen.

Wenn fünf Reels hintereinander praktisch identisch aussehen, wird es natürlich anstrengend. Da entsteht schnell das Gefühl, dass der Musiker nicht mehr mit seinem Publikum kommuniziert, sondern eine Werbeanzeige in Dauerschleife geschaltet hat. Dabei könnte gerade ein neuer Song so viel mehr hergeben. Als Musiker vergisst du oft die Fragen, die die Zuhörer im Kopf haben:

Wie ist der Song denn entstanden? Was war die erste Idee? Welcher Teil war am schwierigsten? Warum klingt die Gitarre so und nicht anders? Welches Instrument wurde verwendet? Gab es eine verworfene Version?  Wie funktioniert der Song live? Was passiert, wenn man ihn völlig anders arrangiert?

Aus dem einzigen Release wird eine ganze kleine Geschichte drumherum. Und macht es dir als Musiker nicht auch viel Spaß zu erzählen, wie du die Songs erarbeitest, was du dir dabei gedacht hast? Du musst nicht mehr wie früher agieren, dich auf die Perfektion des Songs konzentrieren und alles andere ausblenden, sondern – Social Media öffnet die musikalische Welt in vielen Bereichen.

Die Möglichkeit das gesamte Drumherum zu zeigen, macht dich menschlicher und nahbarer. Das ist eine echte Chance, weil du so mit deinen Eigenheiten punkten kannst und nicht die perfekte Bühnenfigur sein musst.

Du kannst deinen Song im Wald aufnehmen, im Probekeller, in der Küche, vor Publikum. Der optisch andere Hintergrund ist schon mal eine Abwechslung, die neue Klicker bringt. Du kannst wie die Jungs oben, Show um den Song machen, mit witzigen Tanzmooves. Es gibt tausende Möglichkeiten, das Reel optisch und inhaltlich zu verändern.

Nicht jeder Post muss den Song verkaufen

Aber: Wenn jeder Beitrag mit „Hört jetzt meinen neuen Song!“ endet, wird das Profil zur Litfaßsäule. Musiker sollten deshalb auch Inhalte veröffentlichen, die zunächst gar nichts verkaufen: Proben, Jammen, Fehler, Peinlichkeiten, Verspieler. Gespräche unter Musikern zeigen, Tourleben. Ein Blick auf das Pedalboard. Eine Frage an die Community. Ein Cover. Kurz: Der Account darf sehr lebendig gestaltet sein, aber nicht zwanghaft, geschäftsmäßig, sondern einfach alle Belange aus dem Musikerleben abbilden und das Publikum mit einbinden.

Der wichtigste Unterschied: Reichweite und Beziehung

Instagram verleitet dazu, Zahlen miteinander zu vergleichen: 10.000 Aufrufe, 50.000 Aufrufe, 100.000. BAM!

Und natürlich freut sich jeder Musiker über große Reichweite. Aber ein Reel mit 100.000 Aufrufen ist nicht automatisch wertvoller als eines mit 5.000. Vielleicht haben von den 100.000 Menschen nur wenige den Musiker im Anschluss gesucht.

Deshalb ist nicht nur die Frage interessant: „Wie viele Menschen haben das gesehen?“ Sondern auch: „Was haben sie danach gemacht?“

Sind sie deinem Account gefolgt? Haben sie den Song gespeichert? Haben sie einen Kommentar hinterlassen? Sind sie zu Spotify, YouTube oder zur Website gegangen? Haben sie ein weiteres Video angesehen? Oder haben sie einfach weitergescrollt?

Locker bleiben und einfach nur Musik machen

Trotzdem sind Musiker keine Social-Media-Maschinen. Wer ständig darüber nachdenkt, ob der nächste Song genug „Content“ hergibt, kann irgendwann vergessen, warum er überhaupt Musik macht. Deshalb würden wir keinem Musiker empfehlen, jeden Tag zwanghaft etwas zu veröffentlichen.

Lieber weniger und dafür interessant: Ein gutes Livevideo eher als fünf perfekt optimierte Reels. Spontane Momente im Proberaum sind oft sympathischer als ein aufwendig produziertes Video.

Eine einfache Regel

Wenn ein neuer Song veröffentlicht wird, muss daraus keine zwanzigteilige Marketingkampagne werden. Aber man kann sich fragen:

Was möchte ich über diesen Song erzählen, das ich bisher noch nicht erzählt habe?

1. Der Song:
Die stärkste musikalische Passage.

2. Die Geschichte:
Wie der Song entstanden ist.

3. Der Blick hinter die Kulissen:
Studio, Instrumente oder Aufnahme.

4. Die andere Version:
Akustisch, live oder anders arrangiert.

5. Der persönliche Zugang:
Was bedeutet der Song dem Musiker?

6. Die Reaktion:
Fragen oder Kommentare der Hörer aufgreifen.

Welche Erfahrungen oder Beobachtungen hast du gemacht? Teile uns das gerne in den Kommentaren mit!

 

 

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