KI-Musik: Neue Symbole sollen bald für Klarheit auf Spotify, Apple Music & Co. sorgen

KI Musik Labels

Mal ehrlich: Wisst ihr aktuell bei jedem Song, den ihr streamt, ob da echte MusikerInnen am Werk waren oder eine KI die Regie geführt hat? Die Grenze verschwimmt immer mehr. Genau hier will die globale Musikbranche jetzt ansetzen. In einer riesigen Allianz haben sich Schwergewichte wie der deutsche Verband BVMI, die US-amerikanische RIAA, die Grammys und die Künstlergewerkschaft SAG-AFTRA zusammengetan und ein weltweit einheitliches Kennzeichnungssystem für KI-Musik vorgestellt.

Das Ziel: Mehr Transparenz direkt auf den Streaming-Plattformen. Laut BVMI-Chef Florian Drücke wünschen sich das auch stolze 83 Prozent der Fans.

Die zwei neuen Labels: Generiert vs. Unterstützt

Damit wir beim Scrollen durch unsere Playlists sofort Bescheid wissen, soll es in Zukunft zwei verschiedene visuelle Symbole auf Track-Ebene geben:

  1. „KI-generiert“: Dieses Label bekommt ein Song, wenn die kreativen Hauptbestandteile von einer generativen KI stammen. Typische Beispiele: Der Leadgesang kommt komplett aus dem Computer, die zentralen Instrumente wurden künstlich erzeugt oder der ganze Track entstand schlicht per Text-Prompt.

  2. „KI-unterstützt“: Hier steht immer noch der Mensch im Mittelpunkt. Gesang und die tragenden Instrumente wurden von echten Artists eingespielt – die KI kam lediglich als Werkzeug für bestimmte Detail-Elemente im Produktionsprozess zum Einsatz.

KI Labels

Wo ist der Haken?

Das System klingt nach einem guten ersten Schritt, hat aber vorerst noch Grenzen:

  • Es ist freiwillig: Die Labels sind als Empfehlung gedacht. Es bleibt abzuwarten, wie lückenlos die Vertriebe und Plattformen das Ganze tatsächlich umsetzen.

  • Nur für den Sound: Das System deckt im ersten Schritt nur die reine Audio-Aufnahme ab. Wenn die Songtexte, das Musikvideo oder das Cover-Artwork von einer KI erstellt wurden, greifen diese Symbole (bisher) noch nicht.

ℹ️ Weitere Infos & Kontext

  • Der Hintergrund der „Human Artistry Campaign“: Eine der treibenden Kräfte hinter dieser Initiative ist die Human Artistry Campaign. Das ist ein weltweites Bündnis, das sich dafür einsetzt, dass KI die menschliche Kreativität nur unterstützen, aber nicht ersetzen darf. Für die Musikindustrie geht es hierbei um Milliarden: Sie will verhindern, dass Plattformen mit vollautomatisierten KI-Tracks überschwemmt werden, die echten Künstler:innen die Streaming-Einnahmen (Royalties) wegnehmen.

  • Das Problem mit dem Urheberrecht: In vielen Ländern (auch in der EU und den USA) gilt: Reine KI-Musik ist urheberrechtlich nicht geschützt, weil der „menschliche Schöpfergeist“ fehlt. Die Unterscheidung zwischen „generiert“ und „unterstützt“ ist für die Labels also auch rechtlich extrem wichtig. Ein „KI-unterstützter“ Song bleibt geschützt, ein rein „KI-generierter“ unter Umständen nicht.

  • Die technische Herausforderung:  Die große Frage, die in der Branche heftig diskutiert wird, ist die der Metadaten. Damit Spotify oder Apple Music diese Symbole überhaupt anzeigen können, müssen die Infos fälschungssicher in den Musikdateien (z. B. via C2PA-Standard oder digitalen Wasserzeichen) verankert sein. Wenn Raubkopierer oder anonyme Producer diese Metadaten einfach löschen, läuft die Kennzeichnung ins Leere.

Aber immerhin: Ein Anfang und ein Schritt in die richtige Richtung!

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