Musikinstrumente: Die „Laute“ vorgestellt
Warme und weiche Saitenklänge produziert sie und entführt uns sofort in vergangene Jahrhunderte: Hast du schon mal die Laute, ein filigranes Renaissanceinstrument, gehört oder gar gespielt? Wir stellen dir die Laute vor – vielleicht möchtest du sie spielen lernen.
Die Laute: Ihr Weg nach Europa und die Neuzeit
Die Laute gehört zu den ältesten gezupften Saiteninstrumenten weltweit. Ihre Wurzeln liegen vermutlich im Nahen Osten und in Zentralasien.
Als Vorläufer gilt der arabische „Oud“. Mit den Mauren gelang dieses Instrument nach Spanien und fand von dort über Jahrhunderte den Weg durch ganz Europa.
Im Mittelalter bildete sich die uns heute bekannte Laute heraus: ein birnenförmiger Resonanzkörper, ein abgeknickter Wirbelkasten und meist mehrere Chöre von Saiten, die mit den Fingern gezupft wurden.
Aufbau der Laute:
Die Lautendecke – dünn, resonanzfähig und kunstvoll gestaltet
Dicke der Decke
| Instrument | Stärke der Decke |
|---|---|
| Laute | ca. 1,5–3 mm |
| Gitarre | ca. 3–5 mm |
Warum so dünn?
| Grund | Erklärung |
|---|---|
| Klangempfindlichkeit | Dünne Decken schwingen leichter → klare, helle, durchsichtige Töne, ideal für polyphone Lautenmusik. |
| Saitenspannung | Lautensaiten sind dünner und weniger gespannt → Decke muss weniger Stabilität bieten. |
| Tradition / Bauweise | Leichtes Holz und hohler Korpus erzeugen Resonanz; dünne Decke maximiert Schwingung und Ausdruck. |
Wunderst du dich auch über die filigranen, unterschiedlichen Schnitzereien an der Schallöffnung der Laute? Sie dienen nicht dem Schmuck des Instrumentes, sondern modulieren den Klang.
Die Rosette – Kunst trifft Akustik
| Funktion | Erklärung |
|---|---|
| Akustik / Klang | Modulierende Schallöffnung → beeinflusst Resonanz, Lautstärke und Klangfarbe. |
| Struktur / Stabilität | Stabilisiert die dünne Decke, verhindert Risse durch ein großes Loch. |
| Ästhetik / Status | Dekorativ, zeigt Handwerkskunst, oft Markenzeichen des Lautenbauers. |
| Feine Klangsteuerung | Muster können Frequenzen subtil verstärken oder dämpfen. |

Der abgeknickte Hals der Laute
Die Laute hat einen nach hinten abgeknickten Hals – das ist kein Zufall, sondern cleverer Instrumentenbau:
- Mehr Saiten auf engem Raum: Viele Doppel- oder Dreifachsaiten brauchen Platz – der Knick verlängert den Hals, ohne das Instrument zu lang zu machen.
- Bequemeres Spielen: Der Winkel erleichtert die Handhaltung beim Zupfen polyphoner Musik.
- Bessere Saitenspannung: Die Kräfte der vielen Saiten verteilen sich so gleichmäßiger, der Hals bleibt stabil.
- Typische Form: Der abgeknickte Wirbelkasten ist ein historisches Kennzeichen der Laute.
Alle Saiten werden gespielt – der Knick dient nur der Handhabung und Spannung.
Wie spielt man die Laute?

Blütezeit: Renaissance und Barock
Im 16. Jahrhundert wurde die Laute zur „Königin der Instrumente“. Besonders in höfischen Kreisen galt es als Zeichen von Bildung und Eleganz, Lautenmusik zu spielen oder ihr zu lauschen.
In dieser Epoche entwickelte sich die Lautentabulatur – eine eigene Notationsform, die Griffbilder statt Tonhöhen aufzeichnete. Dadurch konnte die polyphone Musik, also mehrere gleichzeitig erklingende Stimmen, erst voll erblühen.
Ein Name, der immer wieder auftaucht, ist John Dowland (1563–1626). Der englische Komponist und Lautenist schrieb mehr als 500 Werke für sein Instrument und gilt bis heute als einer der bedeutendsten Komponisten der Renaissance-Laute.
Im Barock wurde die Laute weiterentwickelt und klanglich erweitert: Sie bekam mehr Saiten, neue Stimmungen und inspirierte Komponisten wie Sylvius Leopold Weiss – für viele der größte Lautenkomponist dieser Epoche. Außerdem schrieb Johann Sebastian Bach anspruchsvolle Suiten, die technisch und musikalisch bis heute Maßstäbe setzen.
Vom Niedergang der Laute zur Wiederentdeckung
Im 18. und 19. Jahrhundert verschwand die Laute langsam aus dem musikalischen Alltag – sie wurde von der lauteren und vielseitigeren Gitarre abgelöst und geriet lange in Vergessenheit. Erst im 20. Jahrhundert begann die Renaissance der historischen Aufführungspraxis. Musiker und Musikwissenschaftler nahmen originale Bauweisen und Spieltechniken wieder auf, und die Laute erschien erneut in Konzertsälen und auf Tonträgern.
Die Laute heute: Alte Musik trifft neue Klangfelder
Auch wenn die Laute häufig mit Alter Musik assoziiert wird, gibt es heute so einige Musiker:innen, die sie modern und überraschend einsetzen:
Edin Karamazov
Ein moderner Lautenist und Gitarrist, der klassische Lautenmusik genauso spielt wie moderne Projekte. Er hat mit Ensembles der Alten Musik gearbeitet und mit Sting zusammengearbeitet – unter anderem auf dem Album Songs from the Labyrinth, das Lautenlieder von John Dowland neu erlebbar macht.
Jakob Lindberg
Schwedischer Lautenvirtuose, bekannt für die erste komplette Einspielung der Solomusik von Dowland und für viele selten gespielte Werke der Lautenliteratur. Lindberg spielt historische Instrumente, darunter eine Rauwolf-Laute aus dem 16. Jahrhundert, die auch heute noch erklingt.
Yasunori Imamura
Ein japanischer Lautenist, der über 150 CDs aufgenommen hat, darunter komplette Werke von Bach und Weiss für Laute – ein Beweis dafür, dass das Instrument heute weltweit Relevanz hat.
Roman Turovsky-Savchuk
Komponist und Lautenist, der neue Werke für Barocklaute schreibt und sie auf internationalen Festivals etabliert.
Experimentelle Wege
Im Grenzbereich zwischen alter und neuer Musik gibt es Projekte, die mit der Laute spielen, sie in moderne Kontexte stellen oder ungewöhnliche Klänge erforschen (z. B. avantgardistische Projekte wie die von Jozef Van Wissem im Crossover-Bereich).
Was kostet eine Laute?
Der Preis hängt stark davon ab, ob es ein einfaches Anfänger‑/Studenten‑Instrument oder ein handgefertigtes historisches Instrument ist:
Einsteiger‑ oder Studentenlauten
- Student‑Lauten aus Werkstattfertigung oder kleine Manufakturen:
ca. 1.450 – 2.100 € je nach Anzahl der Saiten und Ausstattung. - Auch gebrauchte Lauten können in niedrigeren Preisbereichen auftauchen, aber gute Qualität ist oft schwer zu finden.
Handgebaute Lauten (klassische Bauweise)
- Renaissance‑ oder Barocklauten von spezialisierten Lautenbauern beginnen etwa bei 2.500 € und können weit über 3.000 € steigen.
- Profi‑Instrumente für fortgeschrittene Spieler liegen typischerweise noch höher.
Wo findet man Laute‑Lehrer?
Es gibt eine Lehrerliste der Deutschen Lautengesellschaft mit Kontaktdaten von Laute‑Lehrer:innen in mehreren Städten (z. B. Berlin, Köln, Erfurt, Göttingen, Leipzig, Nürnberg …). Alle Infos: lautengesellschaft.de
Auf Plattformen wie superprof.de : Durchschnittlich etwa ~40 €/Stunde (kann je nach Lehrer/Erfahrung variieren). Teilweise gibt es Unterricht ab niedrigeren Preisen oder mit Probestunde.

