Lefthand-Gitarren: Warum es spezielle Gitarren für Linkshänder gibt
Wenn man selbst nicht Gitarre spielt, denkt man im ersten Moment vielleicht gar nicht darüber nach, dass es Gitarren in einer speziellen Ausführung für Linkshänder geben könnte…
Eine Gitarre sieht schließlich immer irgendwie nach Gitarre aus, egal wie herum man sie hält. Doch sobald ein linkshändiger Mensch das Instrument in die Hand nimmt, wird sehr schnell klar, dass das Standardmodell sich oft nicht richtig anfühlt. Genau an diesem Punkt beginnen die meisten zu staunen – und entdecken eine kleine, aber spannende Welt: die der Lefthand-Gitarren.
Warum es Gitarren speziell für Linkshänder gibt
Die meisten Gitarren sind für Rechtshänder gebaut, also für Menschen, die mit der rechten Hand anschlagen und mit der linken greifen. Für viele Linkshänder ist das allerdings komplett gegen ihr Körpergefühl. Ihre dominante Hand möchte intuitiv den Rhythmus übernehmen – also auf der Saitenseite sein – und nicht auf der Greifhand.
Eine Lefty-Gitarre ist nicht einfach eine umgedrehte Rechtshänder-Gitarre, sondern ein richtiges Spiegelbild. Die Saiten laufen von tief nach hoch genau anders herum, der Sattel und die Brücke sind entsprechend gefeilt, die Potis und Schalter sitzen auf der anderen Seite, und selbst die innere Konstruktion kann leicht verändert sein, damit der Klang stimmt und das Instrument gut ausbalanciert bleibt. Kurz gesagt: Eine Lefthand-Gitarre ist wirklich für linkshändiges Spielen geschaffen, nicht für Kompromisse.
Kann man eine normale Gitarre einfach umdrehen?
Diese Idee ist alt – und sie klingt erstmal naheliegend. Viele berühmte Musiker haben tatsächlich rechtshändige Gitarren „auf links“ gedreht, darunter sogar Jimi Hendrix. Doch was man dabei leicht übersieht: Bei vielen seiner Gitarren wurden die Sättel, Brücken und Tonabnehmer für ihn umgebaut. Wer eine klassische Rechtshänder-Gitarre nimmt, die Saiten andersherum aufzieht und hofft, dass alles funktioniert, merkt schnell die Grenzen.
Die Saitenspannung ist dann nicht ideal, der Klang kippt, die Intonation stimmt nicht, und man stößt ständig an Schalter, die eigentlich für die andere Hand vorgesehen sind. Für Einsteiger kann das Frust pur bedeuten! Eine echte Lefty-Gitarre macht deshalb einen enormen Unterschied – sie fühlt sich richtig an und klingt so, wie sie soll.
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Sind Lefthand-Gitarren schwerer zu finden?
Linkshänder machen nur etwa zehn Prozent der Bevölkerung aus, und das wirkt sich natürlich auch auf das Angebot in Musikläden aus. Trotzdem hat sich in den letzten Jahren viel getan. Die meisten großen Hersteller bieten heute eine Auswahl an Lefty-Modellen an, und viele bekannte Serien gibt es auch in einer linkshändigen Ausführung: Konzertgitarren, Westerngitarren, E-Gitarren, sogar 12-Saiter.
Ja, die Auswahl ist kleiner als bei Rechtshänder-Instrumenten – aber längst nicht mehr exotisch. Wer eine Lefty-Gitarre sucht, kann heute ohne Weiteres ein paar wirklich gute Einsteigermodelle ausprobieren.
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Berühmte Linkshänder-Gitarristen
Jimi Hendrix
Der bekannteste Lefty überhaupt! Hendrix spielte zwar oft Rechtshänder-Gitarren, drehte sie jedoch um und ließ sie teilweise anpassen. Sein Sound, sein Stil – ohne Linkshändigkeit kaum denkbar.
Paul McCartney
Als Gitarrist weniger bekannt als als Bassist, aber auch an der Gitarre ein klarer Linkshänder. Seine akustischen Stücke und viele Beatles-Demos zeigen das sehr deutlich.
Kurt Cobain (Nirvana)
Kurt war Linkshänder und spielte fast ausschließlich linkshändige E-Gitarren. Seine Lefty-Fender-Modelle sind ikonisch geworden (Jaguar und Mustang).
Tony Iommi (Black Sabbath)
Der „Godfather of Metal“ spielt links. Seine Gitarren wurden extra für ihn angepasst, da er zusätzlich durch einen Arbeitsunfall modifizierte Fingerkuppen hatte.
Mark Knopfler (Dire Straits)
Spannend: Knopfler ist eigentlich Linkshänder, spielt aber rechts – und hat vielleicht gerade dadurch seinen absolut eigenen Stil entwickelt.
Albert King
Blues-Legende. Spielte eine Rechtshänder-Gitarre komplett auf links – sogar ohne die Saiten umzudrehen. Dadurch entstand sein unverwechselbarer Sound!
Otis Rush
Ein weiterer prägender Linkshänder im Blues, dessen Stil viele Gitarristen beeinflusst hat.
Dick Dale
Der „King of Surf Guitar“ – ebenfalls ein Linkshänder, der seine Gitarren gespiegelt spielte und damit einen völlig neuen Sound prägte.
Dan Reynolds / Eva Cassidy / Tim Armstrong / Billy Corgan
Einige spielen gelegentlich links oder sind Linkshänder, die aber rechts spielen.
Gibt es auch Lefthand-Bässe?
Ja, Lefthand-Bässe gibt es genauso! Auch hier funktioniert das Prinzip wie bei den Gitarren: Ein Linkshänder-Bass ist in allen relevanten Details spiegelverkehrt aufgebaut, damit die Anschlaghand links sein kann und die Greifhand rechts.
Viele Marken, die für Gitarren bereits Lefty-Versionen anbieten, tun das auch im Bassbereich. Ob klassischer Jazz Bass, moderner Aktivbass, Shortscale oder sogar ikonische Vintage-Modelle – das Angebot ist wirklich vielseitig. Und genauso wie bei den Gitarren lohnt es sich auch beim Bass, direkt zu einem echten Linkshänder-Modell zu greifen, anstatt mit einem improvisierten Umbau zu kämpfen.
Gibt es auch Lefty-Pianos oder linkshändige Geigen?
Wer sich erstmals mit Lefty-Gitarren beschäftigt, landet schnell bei der nächsten spannenden Frage: Sind eigentlich auch andere Instrumente für Linkshänder speziell gebaut?
Bei Pianos ist die Sache schnell erklärt: Ein Klavier ist von Natur aus symmetrisch. Beide Hände spielen gleichzeitig, und die Aufgaben sind klar verteilt – links die tiefen Töne, rechts die hohen. Deshalb gibt es keine speziellen Left-Hand-Pianos. Allerdings ist der Einwand schon berechtigt, dass es das auch geben sollte! Schließlich spielt man mit der rechten Hand die Melodie und mit der linken die Akkorde, die Basslinie. Es ist also schon naheliegend, dass das einem Linkshänder einfach „gegen den Strich“ geht.
Anders sieht es bei Streichinstrumenten aus. Linkshändige Geigen, Celli oder Kontrabässe existieren, allerdings in deutlich kleinerer Zahl. Sie werden hauptsächlich dann verwendet, wenn jemand aus körperlichen oder gesundheitlichen Gründen nicht rechts spielen kann.
In Orchestern sind sie eher die Ausnahme, denn dort müssen alle Bogenbewegungen synchron sein – ein einzelner Linkshänder würde sofort aus dem Rahmen fallen. Für Hobbyspieler hingegen kann eine linkshändige Geige aber durchaus eine gute Lösung sein.
Blasinstrumente wiederum bilden eine fast linkshänderfreundliche Insel: Egal ob Klarinette, Flöte, Saxophon oder Trompete – sie sind so gebaut, dass Linkshänder sie problemlos spielen können. Der Unterschied liegt hier eher in der Feinmotorik als in der Haltung.
Das Instrument, bei dem die Linkshänderwelt dagegen richtig groß ist, ist das Schlagzeug. Viele Drummer richten ihr Set komplett spiegelverkehrt ein: Hi-Hat links, Ride rechts, die Toms entsprechend angeordnet. Lefty-Setups sind hier völlig normal und werden von vielen Profis ganz selbstverständlich genutzt.
Auch kleinere Saiteninstrumente wie Ukulele oder Mandoline gibt es in linken Versionen, wenn auch nicht in jeder Musikladen-Ecke.
Merke: Ein Instrument sollte sich immer so anfühlen, als würde es mit dir und für dich spielen, nicht gegen dich! Für Linkshänder bedeutet das oft: ein echtes Lefty-Modell ist der richtige Weg. Wenn du Einschränkungen hast, kannst du dir viele Instrumente auch anpassen und umbauen lassen. Wichtig ist am Ende doch nur, welche Töne du damit produzieren kannst!

